MBG Slogan und 2 Geschäftsleute
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06/30/10

Den Mittelstand mitnehmen

Kleine und mittlere Unternehmen werden von den meisten Private-Equity-Firmen vernachlässigt.Eine Lücke, die Mittelständische Beteiligungsgesellschaften schließen.  

Kartoffeln als Bioreaktoren für Antibiotika – mit dieser Idee gründeten der Biologe Michael Kleine und drei seiner Wissenschaftlerkollegen von der Universität Kiel im Jahr 2001 das Startup-Unternehmen Planton. Die Firma sollte neue antimikrobielle Wirkstoffe für die Therapie von Hautkrankheiten entwickeln. Einer dieser Stoffe ist Defensin, ein natürliches Antibiotikum aus der menschlichen Haut, das die Hautflora gegen Erreger schützt. Um diesen Stoff in großen Mengen zu erzeugen, transformiert Planton Kartoffelpflanzen mit dem menschlichen Gen. In den Kartoffelknollen bildet das Gen ein Protein, das später wieder isoliert und als Antibiotikum eingesetzt werden kann. Heute, zehn Jahre nach Gründung, beginnt Planton mit der klinischen Erprobung seiner Medikamente.

Dass es überhaupt so weit gekommen ist, verdankt das junge Biotechnologie-Unternehmen der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft (MBG) Schleswig-Holstein. Die investierte noch in der Gründungsphase bei Planton. „Wir hatten uns damals auch nach anderen Geldgebern umgesehen, aber am Ende des Internethypes überwog bei den Investoren die Skepsis“, erzählt Planton- Gründer Kleine: „Das Geld von der MBG war zwar teuer, aber es hat die Gründung unserer Firma überhaupt erst ermöglicht.“ Inzwischen konnten die Gründer einen Privatinvestor von ihren Erfolgsaussichten überzeugen. Die stille Beteiligung der MBG wurde fristgerecht zurückgezahlt. Für Gerd-Rüdiger Steffen ist das Planton-Investment hervorragend gelaufen. „Wir wollen unsere Beteiligungsunternehmen attraktiv für weitere Investoren machen und besonders auch Ausgründungen aus Universitäten unterstützen“, sagt der Geschäftsführer der MBG Schleswig-Holstein: „Deshalb gehen wir seit einigen Jahren verstärkt auch in die Frühphasenfinanzierung hinein.“

Eigentlich stellen die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften der Bundesländer traditionell vor allem Wachstumskapital für bereits am Markt etablierte Unternehmen bereit. 2008 flossen 73 Prozent der MBG-Investitionen in Expansionsfinanzierungen, nur 22 Prozent waren Seed- oder Startup-Investments. Schwerpunkt der Investitionen sind kleine und mittlere Unternehmen mit einem Kapitalbedarf von 50 000 bis 1 Mio. €; in Einzelfällen werden bis 2,5 Mio. € investiert. „Das ist ein Bereich, in dem Eigenkapitalbedarf besonders hoch ist, der aber gleichzeitig von den meisten Private-Equity-Gesellschaften vernachlässigt wird“, sagt Steffen, der die Fachgruppe der MBGs im Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) vertritt. Die Lücke schließen die MBGs mit Mezzanine-Kapital, das meist in Form stiller Beteiligungen mit Laufzeiten bis zu 15 Jahren vergeben wird.  

Mit einem Gesellschafterkreis, der sich typischerweise aus verschiedenen Kreditinstituten, Kammern und Verbänden zusammensetzt, sind die MBGs privatwirtschaftlich organisiert, werden aber staatlich gefördert. So ist die Refinanzierung der MBG-Investitionen zum Großteil über das ERP-Beteiligungsprogramm der KfW sichergestellt. Das ist einer der Gründe, warum die MBGs im Krisenjahr 2009 ihr Investitionsvolumen vergleichsweise konstant halten konnten. Insgesamt investierten die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften im vergangenen Jahr 138 Mio. € in 461 Unternehmen. Damit ging das Investitionsvolumen der MBGs lediglich um 13 Prozent zurück, während gleichzeitig der gesamte deutsche Beteiligungsmarkt um fast drei Viertel einbrach, von 9,1 Mrd. auf 2,7 Mrd. €.

Die Bedeutung der MBGs ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Hielten sie im Jahr 2000 noch 2.400 Beteiligungen in Höhe von rund 860 Mio. €, waren sie 2009 an 3.240 Unternehmen mit einem Gesamtvolumen von rund 1,2 Mrd. € beteiligt. Die Beteiligungsunternehmen der MBGs beschäftigen zusammen rund 245.000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Umsatz von 30 Mrd. €. Von der Krise blieben aber auch die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften nicht ganz verschont. So verzeichnete die größte deutsche MBG, Baden-Württemberg, im Jahr 2008 lediglich 34 Ausfälle durch Firmenpleiten – im vergangenen Jahr musste sie hingegen bereits 58 Beteiligungen abschreiben. Und für das laufende Jahr rechnen die meisten Gesellschaften mit noch einmal deutlich steigenden Insolvenzzahlen. Dennoch stehen die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften mit ihren Ausfallquoten von aktuell um die fünf Prozent deutlich besser da als viele andere Private-Equity- Investoren.  

Quelle: ftd 18.06.2010